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Arbeitsschritte bei der Entstehung des Motorradtanks mit Stierschädelmotiv
Da ich sehr viel im Custombereich arbeite und der Großteil meiner Untergründe Motorradtanks und Motorhauben sind, möchte ich hier einmal ein klassisches Motiv Step by Step erläutern. Die meisten meiner Kunden haben auf irgend einem Fahrzeug ein Airbrush-Bild gesehen und auf diesem Wege bei mir angefragt. Oft haben sie dann keine genaueren Vorstellungen, wie Ihr Motiv aussehen soll, Hauptsache, es sieht toll aus. In diesem speziellen Fall bekam ich den Tank zugeschickt und erhielt per Telefon den Wunsch, ein Stierschädel soll das Hauptmotiv sein, die Südstaatenflagge sollte abgebildet sein und eventuell im Hintergrund ein Adler. Um das Bild abzurunden, einigten wir uns schließlich noch darauf, als Verbindung zu den Komponenten eine typische Westernlandschaft zu integrieren. So weit so gut. Diese Informationen ließ ich dann erst einmal über Nacht auf mich einwirken, um dann am nächsten Tag mit der Vorzeichnung zu beginnen.
Nach einigen verworfenen Exemplaren erschien mir dann die abgebildete Skizze am geeignetsten. Wie Ihr sehen könnt, hat die Skizze auf dem ersten Blick mit dem Original nicht viel gemeinsam, aber da ich hierbei vorerst aus dem Gedächtnis heraus zeichnete, ging es mir vorrangig darum, Aufteilungen und Proportionen festzulegen. Grundsätzlich halte ich es für sehr wichtig, bevor man mit der Airbrush-Arbeit beginnt, eine ordentliche Vorzeichnung anzufertigen, auf der die Details und Schattierungen klar festgelegt sind. Hat man diese vorher nicht gemacht, kann es bei bestimmten Motiven passieren, daß man dazu neigt, sich aus den verschiedensten Referenzmaterialien die jeweils besten Details abzuschauen und am Ende das Bild entstellt wirkt, da auf den Vorlagen jedesmal ein anderer Lichteinfall herrschte.Anhand meiner Skizze, fertigte ich nun eine maßstabgerechte Zeichnung auf Karton an, welche in Bezug auf bestimmte Details noch einige Umänderungen erhielt und die ich dann gleich zum Teil als Schab-
lone benutzte (Das ist auch der Grund, weshalb ich sie nachträglich leider nicht mehr fotografieren konnte). Wenn es das Motiv erlaubt, das heißt die Details nicht allzu klein sind, arbeite ich vorzugsweise mit losen Papier- sowie Zelloidmasken. Mittlerweile verfüge ich auch über einen Fotokopierer, mit welchen ich gleichzeitig mehrere Abzüge meiner Vorzeichnung machen kann und die ich dann nach Bedarf als Maske zuschneide und einsetze. Das erleichtert erheblich die Arbeit und verhindert weitestgehend das Verschwimmen ehemals vorhandener Linien. Manche eher zufällig im Haushalt anfallenden farbdurchlässigen Gegenstände werden gesammelt und eignen sich mitunter hervorragend als Hilfsmittel für meine Arbeit. Durch Experimentieren lassen sich damit manchmal tolle Effekte erreichen. Später werde ich noch einmal darauf zurückkommen. Nun aber an die Arbeit.
Um eine gute Spritzgrundlage zu schaffen, schleife ich den Tank zuerst mit 1200er Naßschleifpapier an, bis nach dem Trocknen kein Glanz mehr zu sehen ist. Danach wiederhole ich dies mit einem mehrmals gebrauchten und somit sehr viel feinerem Schleifpapier der gleichen Körnung. Hierbei ist zu beachten, daß ich möglichst kreisende Bewegungen vermeide und schön naß arbeite, um hinterher keine Spuren zu hinterlassen. Nachdem ich den Tank mit einem feuchten sauberen Lappen mehrmals abgewischt habe und der Tank trocken ist, wird er mit Spiritus sorgfältig entfettet und ab jetzt nicht mehr mit der bloßen Hand angefaßt.Bevor ich nun mit der eigentlichen Airbrusharbeit beginne, sprühe ich den gesamten Tank mit Airbrush-Grund u.Medium sorgfältig ein. Dadurch entsteht eine sehr schöne, gleichmäßig matte Oberfläche und die Farbe haftet besser auf dem Untergrund. Bei diesem Motiv habe ich mich dafür entschieden, mit dem Hintergrund zu beginnen, da er hier klar definiert ist.
Bei Motiven, wo der Hintergrund nur als Übergang dient und kein spezielles Motiv enthält, arbeite ich meist von vorn nach hinten, um so nachträglich den gewünschten Kontrast zum Hauptmotiv so gut wie möglich herüberzubringen.
Anhand meiner maßstabgerechten Zeichnung übertrage ich nun das Kreuz mit den Sternen auf Papier und schneide es einschließlich der zwölf Sterne mit dem Messer aus. Für das Entwerfen der Sterne benutzte ich eine handelsübliche Schablone und veränderte dann die Perspektive je nach dem geplanten Verlauf der Falten. Der Stierschädel wird ebenfalls auf Papier übertragen und ausgeschnitten. Nun überlege ich mir die richtige Position auf dem Tank und fixiere die Papiermasken mit kleinen Magneten. Dies ist ein riesiger Vorteil gegenüber den Klebemasken, da man jederzeit das Ergebnis überprüfen und nachkorrigieren kann. Desweiteren sind die Spritzkanten nicht so scharf und das Ganze wirkt dadurch realistischer. Mit stark verdünntem Weiß werden nun die Sterne, die Stierkopfsilhuette und die Flagge markiert. Hierbei achte ich darauf, daß die Höhen und Tiefen der Flaggenfal-
ten schon etwas herausgearbeitet werden. Als Weiß benutze ich Titanweiß von Liquitex aus der Tube, welches ich mir zu einer milchartigen Konsistenz angerührt habe und mit dem ich bisher auf Hinsicht der Düsenverstopfung nur gute Erfahrungen machen konnte.
Als nächstes decke ich die Sterne mit zugeschnittenen Papierstreifen ab und spritze mit stark verdünntem rot (Scharlachrot,Karminrot,Wasser im Verhältnis 4:2:6) und danach zu den Seiten hin mit Karminrot und Magenta (1:2) die Flagge weiter aus. Beim Verdünnen meiner Farben benutze ich destilliertes Wasser, da das Leitungswasser in unserer Region durch den hohen Kalkgehalt die Viskosität beeinträchtigen könnte.
Um das Kreuz der Flagge mit blau auszuspritzen, lege ich die beim Auschneiden des Kreuzes enstandenen “Abfallprodukte” ,d.h. die ausgeschnittenen Sterne und Dreiecke sowie die Stierschablone auf und befestige sie wie gehabt mit den Magneten. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, daß der Übergang der Flagge zu den Seiten besonders weich entsteht, wenn ich die Magneten etwas vom Papierrand entfernt anbringe und somit die Maske etwas flattert. Zuerst spritze ich mit verdünntem Cyanblau und betone dann die Falten mit einer verdünnten Mischung von Violettblau und Schwarz im Verhältnis 2:1.
Der weiße Rand des Kreuzes entsteht, indem ich die Dreiecke am Rand um einige Millimeter abschneide, die Kreuzschablone sowie die Dreiecken auflege und mit Weiß aussprühe. Auf der Abb.05 kann man sehr schön den Faltenwurf erkennen der hier mit Weiß noch etwas gehoben wurde. Leider ist ein besonderer Effekt auf dem Foto nur schlecht zu erkennen. Um den Stoff der Flagge realistischer wirken zu lassen, habe ich an den gehobenen Stellen eine Nylon gage (aus einem ausrangierten Auto-Sonnenschutz ) aufgelegt und mit Weiß gesprüht, so daß der Eindruck von Fahnenstoff entsteht. Nun geht es an den oberen Teil des Tanks. Um den Adler und die Berge zu positionieren, werden wie gehabt Papierschablonen eingesetzt und mit verdünntem Weiß festgelegt.
Als Nächstes werden einige Strukturen angelegt. Für das Gefieder des Adlers benutze ich einen kleinen, (fast) ausgedienten Schweineborsten-Flachpinsel und stark verdünntes Weiß. Nachdem ich den Pinsel auf einem Stück Pappe gut ausgestrichen habe, ziehe ich die Strukturen der Federn. Hier kommen mir einige Exemplare meiner Federnsammlung als Referenz zugute. An den Bergen benutze ich anstelle des Pinsels einen kleinen Schwamm, den ich vor dem Einsatz ebenfalls gut ausdrücke, damit die Farbe nicht schwimmt oder sich Bläschen bilden. Durch leichte Ziehbewegungen lassen sich gute Felsstrukturen darstellen. Links neben den Stierschädel kann man erkennen, daß ich außerdem den Federschmuck schon einmal mit Weiß und der Airbrush angedeutet habe.
Als nächstes beschäftige ich mich mit dem Hintergrund zwischen den Bergen und dem Adler. Nachdem ich die beiden Objekte mit den Papierschablonen abgedeckt habe, nehme ich einige Hilfsmittel zur Hand, um mit verdünntem Weiß einige Wolken anzudeuten. Hierzu eignet sich grob gerissene Wellpappe, welche ich ca.5 mm vom Untergrund entfernt halte und an der Kante entlang sprühe. So entsteht eine nicht zu scharfe Spritzkante. Zu beachten ist, daß die Wolkenschablone dabei nur mit der Reißkante nach unten angelegt wird. Wenn Ihr aus dem Fenster nach draußen schaut und Glück habt, könnt Ihr sehen, daß der obere Teil der Wolken durch den Lichteinfall eine deutlich schärfere, helle Kante bildet als im unteren Bereich. Bevor ich nun mit der Farbgebung weitermache, runde ich mit verdünntem schwarz das Bild zu den Seiten hin ab um die Flagge gleichmäßig seitlich verschwinden zu lassen. Da ich einmal beim Abdunkeln bin, betone ich mit einem Gemisch aus Schwarz, Violettblau und Wasser im Verhältnis 1:4:8 die Falten an der Flagge noch ein wenig. Mit einem Gemisch aus Capuut mortuum und Carminrot 3:1 brushe ich nun die Berge den Struckturen entlang (Negativschablone auflegen nicht vergessen), danach benutze ich wie zuvor noch einmal den Schwamm und den Pinsel, um wiederum mit verdünntem Weiß einige Struckturen weiter herauszuarbeiten. Als letztes dunkle ich die Berge mit einer Mischung aus Capuut mortuum und Schwarz zu den Seiten hin und nach unten ab und betone mit der gleichen Mischung die Tiefe der Felsen noch ein wenig.
Da ich als nächstes beim Adler und beim Himmel die gleichen Farben benutzen möchte, zeichne ich mit einem feinen Pinsel und verdünntem Schwarz die Schnabelform und die Iris ein um anschließend parallel zur Gestaltung des Himmels am Adler etwas Farbe anzulegen. Auch hier macht sich wieder der Vorteil der Magneten bezahlt, da ich die Schablonen je nach Bedarf leicht entfernen und schnell wieder auflegen kann. Nun decke ich den Adler und die Berge mit der jeweiligen Schablone ab und gestalte den Himmel weiter. Hier fange ich im unteren Bereich mit Magenta an. Als nächstes folgt Karminrot, dann Gelb, welches dann wieder in Karminrot übergeht. Den Übergang zum Schwarz des Tanks realisiere ich mit einem Gemisch aus Violettblau und Schwarz (2:1). Da mir das Ganze noch etwas zu grell erscheint, helle ich den Himmel zwischen den Bergen noch etwas auf, indem ich zuerst
weiß und anschließend gelb auftrage, bis das Gesamtbild ausgewogen erscheint. Auf dem Bild kann man gut sehen, wie ich die Arbeitsgänge am Adler jeweils mit den gleichen Farben fortgesetzt habe. Wärend der gesamten Arbeit und zwischen den einzelnen beschriebenen Schritten wurden hier und da immer noch einige leichte Korrekturen durchgeführt. Jeder wird die Erfahrung selbst machen, das gerade der übriggebliebene Rest aus dem Farbbecher, an der richtigen Stelle eingesetzt, manchmal noch ein i-Tüpfelchen setzt. Bevor ich mit dem Schädel beginne, decke ich Ihn erst noch einmal ab und schneide mir grob noch eine Negativschablone, die etwas größer ist als die des Schädels, um damit einen leichten Schatten um den Schädel anzulegen. Hierfür verwende ich wieder verdünntes Schwarz und Violett (1:2), welches ich übrigens sehr häufig für Schatten verwende. Als nächstes beginnt die Arbeit am Vordergrund. Zuerst forme ich mit der Airbrush und verdünntem Weiß grob den Schädel und die Federn. Hierfür wird wiederum die Negativschablone benutzt, welche ich zur Kontrolle hin und wieder abnehme.
Mit einem feinen Pinsel und verdünntem Grauschwarz lege ich nun die Risse im Schädel fest. Diese Risse bekommen anschließend rechts der Linien entlang etwas verdünntes Weiß hinterlegt, um somit mehr Räumlichkeit zu bekommen. An den tiefsten und markantesten Stellen verdunkle ich die Risse noch ein wenig. Für die Federn benutze ich hauptsächlich den alten, flachen Borstenpinsel, wie ich ihn schon beim Adler benutzt habe. Nachdem ich die Federn mit der Airbrush dunkelgrau hinterlegt habe, ziehe ich mit verdünntem Weiß die Fahnen der Federn. Am Federnende werde ich dann allmählich dunkler. Mit einer grob ausgeschnittenen Negativschablone verfahre ich genau wie zuvor beim Schädel und lege damit einen Wurfschatten des Federschmuckes an. Die Federnringe, die Knoten sowie der Rohrstab sind Pinselarbeit und werden anschließend mit der Airbrush ausgeformt. Anstelle des Flachpinsels kommt hierfür jedoch ein feiner Rundpinsel zum Einsatz. Die Kugeln am Stab habe ich mit einer normalen Kreisschablone und Weiß gespritzt, anschließend mit dem Pinsel bearbeitet und danach wiederum mit der Airbrush Glanz verliehen. Ebenfalls mit dem feinen Pinsel bearbeite ich die Federn noch mit einem helleren grau und setze schließlich noch einige weiße Spitzen.
Nun geht es weiter mit der Airbrush. Um den Schädel noch plastischer zu gestalten, benutze ich beim Höhen mit Weiß eine Schablone, welche ich mir auf dem Baumarkt beschafft habe. Eine Art Glasfaservlies verschafft hier eine Strucktur welche der des Knochens sehr ähnlich kommt. Auch bei den Hörnern kann ich diese Schablone sehr wirkungsvoll einsetzen. Hier verfahre ich jedoch umgekehrt, indem ich zuerst mit weiß das Horn forme und anschließend mit verschiedenen Brauntönen abschwäche um am Schluß mit dunklem Braun und Schwarz mit Hilfe dieser Schablone die Struckturen aufzubringen.
Während meiner Arbeit ist mir aufgefallen, daß noch irgendetwas in der rechten oberen Bildhälfte fehlt. Ich entscheide mich für einen vorbeireitenden Indianer. Um diesen etwas von den dunklen Bergen abheben zu lassen, sprühe ich mit Weiß einen leichten Nebelschwaden vor die Berge, aus dem der Reiter geritten kommen soll. Nachdem ich den Reiter auf ein Stück Papier aufgezeichnet und anschließend mit dem Messer ausgeschnitten habe, lege ich die Negativschablone auf und sprühe ihn mit verdünntem Schwarz. Bevor ich nun fast am Ende meiner Arbeit bin, töne ich den Schädel etwas mit gelb, orange und verdünntem Umbra ab. Außerdem lasiere ich an den Hörnern noch etwas Capuut mortuum und Umbra. Da ich mir während meiner Arbeit über die Wirkung der Farben, insbesondere beim Weiß nicht ganz sicher bin, sprühe ich zwischendurch mit Medium und habe so eine bessere Vorstellung von der Leuchtkraft nach dem Lackieren.
So verfahre ich auch grundsätzlich am Ende jeder Custom-Arbeit, bevor letztendlich der Klarlack gesprüht wird.
So, nun bin ich mit meinem Ergebnis zufrieden und der Tank kann abschließend mit einem Klarlack überzogen werden. Am Foto ist deutlich zu erkennen, daß hierdurch die Leuchtkraft und Intensität erst richtig zur Geltung kommt. Nachdem der Tank wieder beim Besitzer angekommen war und dieser sich sichtlich zufrieden bei mir bedankte, war für mich der Auftrag erfüllt und ich konnte mich mit einem guten Gefühl der nächsten Arbeit widmen.